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17.07.2022

Hanke: Pflegedienst als Zeugnis vom Reich Gottes - Festgottesdienst in Berching

Im Gottesdienst trugen mehrere Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtung die Fürbitten vor.

Unter anderen sie feierten das 50-jährige Bestehen des Caritas-Seniorenheimes Berching: der stellvertretende Caritasdirektor, Andreas Steppberger, Landrat Willibald Gailer, der Hausgeistliche Pius Schmidt, Einrichtungsleiter Gerhard Binder, Bischof Gregor Maria Hanke, Bürgermeister Ludwig Eisenreich, Caritaspräses Dompropst Alfred Rottler und Caritasdirektor Alfred Frank (von links). Foto: Caritas/Esser

50 Jahre Caritas-Seniorenheim St. Franziskus und 300 Jahre Kloster in Berching: Das haben heute rund 40 geladene Gäste aus Caritas, Kirche und Politik gemeinsam mit etwa 20 Seniorinnen und Senioren in der Altenhilfeeinrichtung gefeiert. Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke zelebrierte gemeinsam mit Caritas-Präses Dompropst Alfred Rottler und dem Hausgeistlichen Pius Schmidt den Festgottesdienst. Beim Festakt fand vor allem eine Podiumsdiskussion statt, welche die Redakteurin der Eichstätter Kirchenzeitung Gabi Gess moderierte. Neben dem Bischof und Caritas-Verantwortlichen nahmen daran unter anderen der Neumarkter Landrat Willibald Gailer und Berchings Bürgermeister Ludwig Eisenreich teil. 

Zeugnis geben vom Reich Gottes

Bischof Hanke sagte in seiner Predigt in Anlehnung an das Tagesevangelium von den ungleichen Schwestern Maria und Marta, die Kirche brauche beide: diejenigen, die anderen Menschen dienen wie Marta und jene, die auf das Wort Gottes hören wie Maria. An die Bewohnerinnen und Bewohner des Caritas-Seniorenheims gewandt erklärte der Bischof: „Sie, liebe Seniorinnen und Senioren, vertreten heute Maria: Sie sind offen für das Gespräch mit dem Herrn und stehen somit ganz in der Tradition dieses Caritas-Seniorenheimes sowie seiner klösterlichen Geschichte“. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommt es nach den Worten Hankes wie für alle Caritas-Beschäftigten nicht nur darauf an, Not zu lindern, wie es viele Nichtregierungsorganisationen tun. Es sei vor allem wichtig, dass sie durch ihren Dienst Zeugnis geben, „dass das Reich Gottes als neue Wirklichkeit hier bereits ein Stück weit spürbar wird“. Im Gottesdienst trugen mehrere Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtung die Fürbitten vor. 

Caritasdirektor Alfred Frank ging in seinem Grußwort zunächst auf das „düsterste Kapitel“ des Seniorenheimes Berching ein, als im Herbst 2020 innerhalb von drei Wochen 26 Bewohnerinnen und Bewohner verstarben, die sich mit dem Corona-Virus angesteckt hatten. Er betonte aber auch, dass es der Einrichtung gelungen sei, trotz aller Engpässe die Versorgung aufrechtzuerhalten, „auch weil Caritas-Mitarbeitende aus anderen Seniorenheimen solidarisch waren und aushalfen“. Beeindruckt zeigte sich Frank vor allem vom mit Spenden finanzierten Sinnesgarten des Seniorenheimes. Dieser sei vor allem für Menschen mit Demenz sowie psychischen Beeinträchtigungen besonders bedeutend. „Mit den Pflanzen blühen hier auch die Menschen auf“, so Frank. Beeindruckend sei aber auch „das hier erlebte Miteinander von alten Menschen und Kindern“ als Teil des Einrichtungskonzeptes. Der Caritasdirektor stellte grundsätzlich fest: „Das Caritas-Seniorenheim St. Franziskus ist auf der Höhe der Zeit zum Wohl alter und pflegebedürftiger Menschen.“

„Welchen Gestaltungsspielraum hat die Kreis- und Kommunalpolitik auf das Angebot für alte Menschen?“, wollte Moderatorin Gabi Gess vom Neumarkter Landrat Willibald Gailer wissen. Für diesen kommt es darauf an, eine gesunde Mischung aus ambulanten, teilstationären und stationären Angeboten zu haben. Gailer erhofft sich zudem Impulse von der neu gegründeten Akademie für Gesundheitsberufe in Neumarkt. Es müsse vor allem das Image hin zu einem spannenden und interessanten Beruf geändert werden, so der Landrat. 

Darauf angesprochen, ob die Caritas-Seniorenheime mit Blick auf Corona bald wieder mit Sorge auf den Herbst und Winter blicken müssten, meinte die für die Caritas-Altenhilfe im Bistum Eichstätt verantwortliche Abteilungsleiterin, Hedwig Kenkel: „Wir sind alle gut aufgestellt, was Schutz- und Hygienemaßnahmen betrifft.“ Doch Kenkel sorgt sich um die Personalsituation. Corona habe nicht nur viele Mitarbeitende selbst angesteckt, sondern viele auch ausgelaugt. Aus beiden Gründen könnten bei einer neuen Welle erneut Beschäftigte ausfallen, „und das macht mir große Sorgen“. Vor dem Hintergrund, dass die Impfquote in der Bevölkerung nach wie vor niedrig sei, appellierten Kenkel sowie auch Caritasdirektor Alfred Frank an Menschen, die sich noch nicht haben impfen lassen, dies zu tun.

Angesichts rückläufiger Kirchensteuermittel, die früher auch in hohem Maße Neubauten und Sanierungen von Caritas-Seniorenheimen zugutekamen, deutete Caritasdirektor Frank einen Strategiewandel hin zu einem „Investorenmodell“ an: „Ein Investor stellt einen Neubau hin und wir mieten und betreiben es. Aus eigener Kraft funktioniert das nicht mehr“, stellte Frank klar. Für idealer hält Frank eine Lösung, wie es sie in Freystadt und Gaimersheim bereits gibt: Dort  gehören die Seniorenheime der Kommune und die Caritas betreibt sie. „Das wäre optimal“, so der Caritasdirektor.

Altersdurchschnitt gravierend verändert

Einrichtungsleiter Gerhard Binder machte auf die gravierende Änderung beim Altersdurchschnitt mit der Zeit in seinem Haus aufmerksam: „Vor 50 Jahren lag dieser bei 72 Jahren, heute liegt er bei 90.“ Binder dankte allen, die sich für das 50-jährige Jubiläum des Hauses engagiert hatten: insbesondere der Journalistin und im Haus tätigen Ehrenamtlichen Dagmar Fuhrmann und der Leiterin der Caritas-Öffentlichkeitsarbeit, Dr. Andrea Schödl, für die Erstellung der Festschrift. 

Quelle: Caritas

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