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28.08.2025

Mariä Himmelfahrt: Traditionspflege in Trockenzeiten

Ein Kräuterbusch - frisch zusammengetellt für Mariä Himmelfahrt. Foto: Stefanie Funk.

Professor Susanne Jochner-Oetteist Inhaberin der Professur Physische Geographie/Landschaftsökologie und nachhaltige Ökosystementwicklung an der KU Eichstätt-Ingolstadt. Foto: upd

Was an Feldrainen und Uferböschungen, auf Wiesen und Industriebrachen so alles wächst und blüht, dafür haben erfahrene Kräutersammlerinnen einen besonderen Blick. Vielen fällt dabei auf: Pflanzen, die traditionell ins Kräuterbüschel (auch Kräuterbuschen genannt) gehören, ob Königskerze, Johanniskraut, Wegwarte oder Schafgarbe, blühen heute schon im Frühsommer und sind vertrocknet, bis man sie zum Fest Mariä Himmelfahrt braucht. Mit der Entwicklung von Pflanzen im Jahresverlauf befasst sich die Phänologie. Auf diesem Gebiet forscht Professor Susanne Jochner-Oette von der Katholischen Universität (KU) Eichstätt-Ingolstadt.

Professor ist Inhaberin der Professur Physische Geographie/Landschaftsökologie und nachhaltige Ökosystementwicklung an der KU Eichstätt-Ingolstadt. Foto: upd

Stimmt der Eindruck, dass sich die Vegetationsphasen nach vorne verschieben?

Susanne Jochner-Oette: Phänologische Daten zeigen seit Jahrzehnten eine deutliche Vorverlagerung vor allem der Frühjahrsphasen –also des Blüh- und Austriebsbeginns vieler Pflanzenarten. Dies steht in direktem Zusammenhang mit steigenden Temperaturen im Winter und Frühjahr. Sommer- und Herbstphasen, wie die Blüte der Linde oder die Fruchtreife der Kastanie, verschieben sich hingegen deutlich weniger stark.

Wie weit reichen wissenschaftliche Forschungen und Aufzeichnungen zu den Vegetationszeiten zurück? Wann begann man, einen Zusammenhang mit dem Klimawandel zu erkennen?

Susanne Jochner-Oette: Phänologische Beobachtungen haben eine sehr lange Tradition. Erste Aufzeichnungen reichen mehrere Jahrhunderte zurück, wie zum Beispiel die Daten zur Kirschblüte in Japan, die bis ins 9. Jahrhundert dokumentiert sind. In Europa begannen systematische Beobachtungen im 18. Jahrhundert. Phänologische Beobachtungen dienen als wichtiger Indikator für klimatische Veränderungen. Seit den 1990er Jahren ist die Forschung in diesem Bereich deutlich intensiviert worden, da sich Verschiebungen in phänologischen Phasen als Reaktion auf den Klimawandel gut nachweisen lassen.

Wird das Kräuterbüschel dann irgendwann zum Auslaufmodell?

Susanne Jochner-Oette: Im Netzwerk der Internationalen Phänologischen Gärten, welches ich koordiniere, sind fast ausschließlich verholzte Arten zu finden. Wildkräuter stehen bisher weniger im Fokus der phänologischen Forschung, dennoch zeigen Beobachtungen, dass die Blütezeiten vieler krautiger Pflanzen inzwischen früher beginnen und die Sommermonate zunehmend von Hitze und Trockenheit geprägt sind. Ob das Kräuterbüschel ein Auslaufmodell ist, lässt sich schwer sagen – man müsste sich mit den verwendeten Arten nochmal im Detail beschäftigen. Möglicherweise kann man sich durch die Verwendung ähnlicher beziehungsweise alternativer Arten anpassen.

Die Fragen stellte Gabi Gess

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