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31.05.2021

Pfingsten ist immer - Ein Kommentar

Bild: pixabay

In seinem Beitrag zum Pfingstfest kritisiert Dekanatsreferent Christian Schrödl, dass die Sendung des Heiligen Geistes als Geburtsstunde der Kirche oftmals nur als historisches Ereignis der Vergangenheit betrachtet wird.


„Geburtstag der Kirche“ ist Pfingsten. Wie oft haben wir es in Predigten, im Religionsunterricht oder in der Firmvorbereitung beinahe phrasenhaft vernommen: An Pfingsten feiern wir den Geburtstag der Kirche. Vor wenigen Tagen haben wir es wieder gehört, wie der Geist Gottes die verängstigten und eingeschlossenen Jünger beflügelt. Wie sie plötzlich hinaustreten und in verschiedenen Sprachen zu hören sind. Der neue Churer Bischof Joseph Maria Bonnemain hat es neulich so beschrieben: „Der Heilige Geist führt aus der Verriegelung heraus.“ Die Jünger beschäftigen sich nicht nur mit sich selbst und ihren Sorgen und Ängsten, sondern nehmen Menschen anderer Sprache, Herkunft und Kultur wahr. Dieses Ereignis führt dazu, dass sie nicht nur vor ihrer eigenen Haustüre tätig sind, sondern in alle Welt hinausziehen und die Frohe Botschaft verkünden werden.

Welche Kraft und welcher Antrieb doch in dieser Geburtsstunde der Kirche liegen! Die Dynamik, die in der Frohen Botschaft steckt, die in unserem Glauben liegt und die Gottes Liebe sichtbar und spürbar machen will, ist nicht aufzuhalten. „Der Christmensch ist dazu berufen, an dieser sich schenkenden Dynamik Gottes aktiv teilzunehmen“, formuliert es Bischof Bonnemain. Wie jeder Mensch sich nach seiner Geburt ständig weiter entwickelt, so muss dies auch für die Kirche gelten. „Die Kirche verändert sich, oder sie ist keine Kirche“, schreibt der Bischof. „Die Kirche ist Weg. Die Kirche ist Entwicklung. Die Kirche ist Entfaltung.“ Seiner Meinung ist die Kirche aber zugleich auch „Heimat, Himmelsschau – sie ist auch Finden und Gefunden-Werden“. Selbstverständlich brauchen wir auch Orte, an denen wir ankommen, zur Ruhe gelangen, Sicherheit und Geborgenheit spüren dürfen. Beides gehört dazu. Gefährlich aber, so Bonnemain, wird es „dort, wo starres Denken behauptet, dass die Kirche unveränderlich und auch die Wahrheit rein statisch ist.“

Das Beharren auf bestimmten Strukturen, altbekannten Verfahren, bewährten Methoden, klar geregelten Zuständigkeiten und sauber abgegrenzten Kompetenzen erlebe ich nur allzu häufig in meinem kirchlichen Alltag. Eine Beobachtung in über dreißig Jahren ehrenamtlicher und hauptberuflicher Tätigkeit in meiner Kirche ist: Nicht immer wird alles zum Besten geregelt. Weil wir gerne im Üblichen und Gewohnten verharren und häufig auf Bewährtem und Rechtmäßigem beharren, konnten wir nicht immer die optimale Lösung entwickelt Für so manch gute Idee, kreativen Einfall, guten Gedanken – kurz „Geistesblitz“ – ist in diesem System manchmal kein Platz. Anstatt immer wieder neu zu suchen, glauben wir, bereits alles gefunden zu haben. Eine gewisse Konzentration auf das kirchliche Amt, ein Schielen nach Einfluss und ein Pochen auf zugeschriebene Hoheitsrechte waren und sind hier wenig hilfreich.

„Verschiedenheit macht zukunftsfähig“, sagte neulich der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte in einem Fernsehinterview. Der Geist, so sind wir sicher, verteilte sein Gaben nicht nur auf wenige geweihte oder nichtgeweihte Amts- und Funktionsträger, sondern streute sie viel weiter und vielfältiger. Es ist daher ein ermutigendes Zeichen, wenn Papst Franziskus für die beiden nächsten Jahre eine Bischofssynode plant, bei der er mit den Teilnehmern über mehr Miteinander in der Kirche beraten möchte. Das Thema des nun für Oktober 2023 angekündigten Treffens lautet "Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Partizipation und Mission. Was kennzeichnet eine synodale Kirche?". In den Prozess der Vorbereitung sollen in jedem der mehr als 4.000 katholischen Bistümer Laien und Kleriker miteinbezogen werden. Dadurch kann deutlich werden, was Bischof Bonnemain mit diesen Worten beschreibt: „Der Heilige Geist steht stets der Kirche bei – er lebt und wirkt im Herzen der Menschen“ Bewegung und Dynamik, Vielfalt und Farbe, Lebensnähe und Weltoffenheit gehören also von Geburt ganz wesentlich an zum Kirche-Sein dazu. Pfingsten ist immer. „Wir Menschen entdecken es“, schreibt Bonnemain, „in einem Prozess, der das ganze Leben umfasst, die ganze Geschichte der Kirche und der Welt.“ Mich beflügelt daher folgender Satz ganz besonders, den DDR-Liedermacher Wolf Biermann einmal dichtete: „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu.“

Dekanatsreferent Christian Schrödl, Neumarkt/Habsberg


Weitere Texte von Christian Schrödl auf den Homepages der Dekanate Neumarkt und Habsberg:

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"Zeichen der Hoffnung setzen" - Ein Tagesimpuls (23.3.2020)

"Inne halten: Josefstag" - Impuls zur Corona-Krise (19.3.2020)

Die nächsten Termine

Sonntag, 04. Dezember
10.30 Uhr
Familiengottesdienst mit Besuch des heiligen Nikolaus
Ort: Hofkirche Neumarkt
Veranstalter: Pfarrei Zu Unserer Lieben Frau Neumarkt
Montag, 05. Dezember
06.30 Uhr
Roratemesse
Ort: Hofkirche Neumarkt
Veranstalter: Pfarrei Zu Unserer Lieben Frau Neumarkt
Donnerstag, 08. Dezember
14.00 Uhr
Adventlicher Nachmittag
Ort: Pfarrheim Pollanten, Am Kirchberg 5, 92334 Berching
Veranstalter: Pfarrei Pollanten
Freitag, 09. Dezember
19.00 Uhr
Neumarkter Persönlichkeiten an der Krippe
Ort: Reitstadel
Veranstalter: Katholische Erwachsenenbildung (KEB) im Landkreis Neumarkt
Dienstag, 20. Dezember
19.30 Uhr
Offenes Gebetstreffen mit Maria, der Königin der Liebe, vor dem Allerheiligsten
Ort: Pfarrkirche Heilig Kreuz Neumarkt-Wolfstein
Veranstalter: Pfarrei Heilig Kreuz
Donnerstag, 20. April
15.00 Uhr
ONLINE@FORUM KATECHESE
Ort: online
Veranstalter: Gemeindekatechese Eichstätt