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18.05.2022

Schwester im Glauben: Gedanken zum Marienmonat Mai

Foto: pixabay

Es ist wieder Mai: Die Natur erwacht nach der Winterpause zu neuem Leben, sie hüllt sich in kräftiges Grün und erblüht in faszinierender Farbenpracht – mit diesem Wunder des Frühlings wird auch Maria in Verbindung gebracht. Die Gottesmutter wird in der christlichen Spiritualität als Sinnbild für die lebensbejahende Kraft des Frühlings verstanden. Man verehrt sie als Maienkönigin, spricht von Marienmonat Mai und lädt vielerorts zu den traditionellen Maiandachten ein. Viele von uns verbinden dies mit den festlichen Maialtären, mit dem Blumenschmuck der Hortensien oder mit gemütvollen Liedern und Gebeten.   

„Mutter der Gnaden“, „Himmelskönigin“, „ohne Erbsünde empfangene Jungfrau und Gottesmutter Maria“ , „Schutzfrau Bayerns“, „Königin des Rosenkranzes“, „elfenbeinener Turm“, „Tabernakel der ewigen Herrlichkeit, „du Mächtigste, du Gütigste, du Treueste, Barmherzigste“ – welche Bilder und Ausdrücke doch im Laufe der Kirchengeschichte entstanden sind, um die besondere Rolle Marias in unserem christlichen Glauben hervorzuheben! Lieder und Gebete, Gemälde und Skulpturen, Gnadenbilder und Votivtafeln aus vielen Jahrhunderten zeugen davon, dass Maria den Menschen in ihrem Glauben und Leben von jeher eine zuverlässige Begleiterin war. Doch tragen diese Vorstellungen und Metaphern heute noch, berührt die marianische Praxis in unserer Kirche die Gläubigen auch in dieser Zeit?

Die Bibel schildert uns Maria als einfaches Mädchen, als junge Frau aus dem Volk. Sie bezeichnet sich selbst als „Magd“, auf deren „Niedrigkeit“ Gott ganz besonders geschaut. Er hat sie, diese unbedeutende Frau aus dem Dörfchen Nazaret im abseitigen Galiläa, auserwählt und berufen, den verheißenen Retter und Erlöser zur Welt zu bringen. Nicht einer Prinzessin, einer Nachfahrin aus königlichem Haus oder einer Tochter aus priesterlichem Geschlecht wurde diese Aufgabe übertragen, sondern einer völlig Unbekannten  und bescheidenen Frau.

Vielleicht schildert uns die Bibel auch deshalb als sensibel und offen für die Nöte und das Leid der Menschen. Aufmerksam registriert sie, wie beider Hochzeit in Kana der Wein ausgeht. Sie empfiehlt dem Schankkellner daher die Fürsorge und Hilfe ihres Sohnes an. Und als um Jesus, der zu heilen und Dämonen auszutreiben begann, ein allzu großer Rummel entstand und man glaubte, „er sein von Sinnen“, suchte sie ihn auf, um sich um ihn zu kümmern und ihm nahe zu sein.   

Sogar am Kreuz war sie ihm nahe, schildert uns die Bibel. In ihrer Beziehung zu Jesus musste sie vieles auf sich nehmen und erleiden. Es war für sie nicht einfach, ihren Weg mit Jesus zu gehen – und dennoch folgte sie ihm bis zum Schluss. Auch nach seinem Tod verkroch sie sich nicht, sie bildete mit den Jüngern Jesu, mit anderen Frauen und Familienmitgliedern in Jerusalem eine Gebetsgemeinschaft und wird wie sie von Gottes Geist erfüllt.   

Maria wird uns in der Bibel geschildert als bescheiden, sensibel, leidensfähig und in der Gemeinschaft der Jüngerinnen und Jünger verankert. Nicht in allen Phasen und Facetten unseres Lebens müssen wir so sein wie sie. Ihr Beispiel verlangt von uns auch nicht, als sorgenvolle Dienerinnen oder

unterwürfige Gehilfen durch das Leben zu gehen. In erster Linie ist sie nicht Königin, Gebieterin, Schutzfrau und Gnadenspenderin, sondern ein Vorbild im Glauben, eine Schwester, die mit mir gehen will. Sie zeigt mir, wie es sein kann, mit Jesus zu leben und sich an ihm zu orientieren: Es braucht keine besonderen Ehren und Titel, keine exquisite Abstammung und Herkunft, um Gott zur Welt zu bringen. Wir sind eingeladen, aufmerksam und sensibel durch die Welt zu gehen und auf die Menschen zu blicken. Wir können auch in Prüfungen und Leid einen tieferen Sinn entdecken. Als Christen sind wir nicht Einzelkämpfer, sondern Teamplayer, wir bilden zusammen eine Weg- und Gebetsgemeinschaft.

Und so soll es auch in unserer Kirche sein: Es braucht nicht Unterwürfigkeit und blinden Gehorsam, sondern den gleichen Rang und die gleiche Würde aller Getauften. Es braucht nicht das Herrschen und Dominieren, sondern das Zuhören und Dienen. Es braucht nicht Selbstsucht und Eigenliebe, sondern Gemeinsinn und Verbundenheit. Eine Über-Institutionalisierung von Kirche, Zentralismus und Bürokratie, das Durchregieren von oben nach unten, ein überstiegener Klerikalismus, das Einzelkämpfertum , die Unterordnung und Anpassung, die oberflächliche Frömmigkeit an Systeme haben keine Zukunft.   

Das dürfen wir von Maria als „Schwester im Glauben“ im lernen. Ihr Glaubens- und Lebensweg baut uns Brücken zu Jesus, macht auch mein Leben und meinen Glauben bunter und weiter und zeigt mir, dass Gott jede und jeden von uns einmal königlich empfangen will. Der Marienmonat Mai kann mich auch daran wieder erinnern.

Dekanatsreferent Christian Schrödl, Neumarkt/Habsberg


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"Es gibt so viele Wege zu Gott..." - Vortrag bei Cursillo (18.9.2021)

Die nächsten Termine

Freitag, 08. Juli
10.00 Uhr
Samstag, 09. Juli
Sonntag, 10. Juli
11.00 Uhr
Wortgottesdienst für (Klein-)Kinder
Ort: Kolpinghaus Johanneszentrum
Veranstalter: Pfarrei St. Johannes Neumarkt und Flugsportvereinigung Neumarkt e.V.
Dienstag, 12. Juli
18.30 Uhr
Willkommenstreffen für neue und interessierte Pfarrgemeinderäte
Ort: Kolpinghaus Johanneszentrum
Veranstalter: Bischöfliche Dekanate Neumarkt und Habsberg
Freitag, 15. Juli
10.00 Uhr
Samstag, 16. Juli
Dienstag, 19. Juli
18.00 Uhr
Kapitelsjahrtag - Dekanat Neumarkt
Ort: Kloster Plankstetten - Gäste und Tagungshaus
Veranstalter: Bischöfliches Dekanat Neumarkt
19.30 Uhr
Offenes Gebetstreffen mit Maria, der Königin der Liebe, vor dem Allerheiligsten
Ort: Pfarrkirche Heilig Kreuz Neumarkt-Wolfstein
Veranstalter: Pfarrei Heilig Kreuz
Freitag, 22. Juli
10.00 Uhr
Samstag, 23. Juli
Sonntag, 24. Juli
19.00 Uhr
Ökumenischer Gedenkgottesdienst für die im Klinikum Verstorbenen
Ort: Klosterkirche St. Josef
Veranstalter: Klinikseelsorge Neumarkt
Sonntag, 07. August
13.30 Uhr
Maiandacht mit Gebet um geistliche Berufe
Ort: Wallfahrtskirche Mariä Namen - Trautmannshofen
Veranstalter: Pfarrverband Lauterhofen