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01.07.2022

Urgesteine: Ein religiöser Impuls zur Vollversammlung des Dekanatsrats

Petrus und Paulus als Gravur in einer römischen Katakombe, Foto: Anonymous

Petrus und Paulus, diese beiden Heiligen haben wir gestern –  am 29. Juni – gefeiert. Und in diesen Tagen wird in Berngau, in Freystadt, in Hausheim und in Waldkirchen das Patrozinium bzw. Kirchweih begangen. Als „Apostelfürsten“ bezeichnet man die beiden auch. Beide starben in Rom für ihren Glauben und sind dort begraben. Den beiden Aposteln ist es mit zu verdanken, dass sich die junge Kirche nicht nur in Palästina und Syrien, sondern auch im ganzen Mittelmeerraum ausbreiten konnte und sich Menschen – egal ob Juden oder Heiden – von der Frohen Botschaft und für den Glauben an Jesus Christus begeistern ließen.

Die Bibel schildert uns zwei unterschiedliche Typen: Zunächst der verheiratete Fischer Simon vom See Gennesaret, wohl eher „der Mann aus dem einfachen Volk“, bodenständig, praktisch veranlagt, eingebunden in seine jüdische Glaubensgemeinschaft. Er führte in Jerusalem die Gemeinde nach Tod und Auferstehung von Jesus zusammen, wurde zu einem „Fels“ (Petrus), zum Fels in der Brandung. Doch er verharrte nicht Zeit seines restlichen Lebens in Jerusalem. Er brach auf und wirkte schließlich in Rom.

Paulus scheint ein anderer Typ gewesen zu sein: Dieser Saul aus Tarsus in der heutigen Türkei hatte ganz genau die Schriften der jüdischen Religion studiert und lebte „voller Eifer“ (Apg 22,3) seinen Glauben. Er ging dabei so weit, dass er die junge christliche Gemeinde verfolgte (Apg 8,2f). Später jedoch war „Feuer und Flamme“ für Jesus Christus. Er öffnete sich für die Welt der Heiden, ihre Kultur und ihr Denken. Er war eher ein Intellektueller, einer, der sich überall zuhause fühlen konnte,  aber auch ein „Haudegen in Wort und Tat“, ein leidenschaftlicher Missionar. Auch seine Wege führten ihn schließlich nach Rom.

Zwischen beiden kam es zu einem Konflikt: Was soll für die junge Kirche die richtige Missionsstrategie sein? Müssen alle Heiden erst Juden werden, sich beschneiden lassen, wie es Petrus forderte? Oder können sich Heiden auch taufen lassen, ohne all die jüdischen Gesetze und Vorschriften einhalten zu müssen – das war die Position von Paulus. Bei dem sogenannten „Apostelkonzil“ müssen wohl ordentlich die Fetzen geflogen sein.

Ich beobachte in der Kirche derzeit ähnliche Spannungen und Auseinandersetzungen:

Muss jemand, um ein guter Christ zu sein, in einer Pfarrgemeinde verwurzelt und engagiert sein, sich an die Traditionen und Gebräuche vor Ort halten, das Altbekannte und Altbewährte auf ewig fortsetzen? Muss es also in der Pastoral darum gehen, Menschen in eine Gemeinschaft zu integrieren und in eine Pfarrei einzubinden?

Oder kann es auch Wege zu Gott und mit Gott geben, in denen eine Pfarrgemeinde keine Rolle spielt? Gibt es nicht viele andere Möglichkeiten, um eine eigene Gottesbeziehung zu entwickeln, eine persönliche Spiritualität zu entfalten, um mit Gott in Berührung zu treten kommen und um sein Leben aus dem Glauben heraus zu gestalten. Es ist Gott, der mich ganz persönlich meint und mich ganz individuell beruft und dem ich mit meiner Umkehr und bewussten Entscheidung antworte.

Braucht es da die Pfarrgemeinde? Braucht es das Vorleben und Nachahmen, das gemeinsame Tun in einer Pfarrei? Geht der Weg des Glaubens über die Gemeinschaft der Christen vor Ort?

Oder sprechen Menschen in ihren vielfältigen Lebenswelten vor allem auf bestimmte – möglichst individuell zugeschnittene – Themen und Formate, Angebote und Herangehensweisen an? Braucht es vielleicht mehr Glaubenskurse, mehr Spiritualität und Tiefgang, mehr christliches Profil?

Vielleicht hilft uns da der Blick auf unsere beiden Urgesteine:

Der eine bodenständig, verwurzelt, beharrend, die Menschen vor Ort verbindend, der andere bricht auf, zieht hinaus, sucht das Neue, scheut die Auseinandersetzung nicht, streitet leidenschaftlich für seinen Glauben, lässt sich auf die Kultur und die Lebenswelt der Menschen ein.

Schließlich landen beide in Rom, bilden mit ihrem Glauben, ihrem Engagement, ihren Erfahrungen und Sichtweisen, ihren Beziehungen und Gemeinschaften das Fundament für den weiteren Weg der Kirche.

Was dürfen wir daraus lernen, wo sich Kirche in diesen Tagen fast dramatisch verändert und wandelt?

Wir dürfen lernen, dass es eine Verwurzelung und eine Verankerung vor Ort, eine Beheimatung, eine lokale Anlaufstelle genauso braucht wie das Aufbrechen, das Hinausgehen, die missionarische Perspektive, den Zugang über spezielle Lebensthemen. Wir dürfen lernen, dass es hier wie dort das Erzählen von Gott, die Begeisterung im Glauben, die Freude am Evangelium braucht. Wir dürfen lernen, dass Menschen dazu befähigt werden müssen, ihren Glauben zu leben, auch wenn der Apostel gegangen ist, also: wenn der Priester nicht jeden Tag erreichbar ist – hier wie dort. Wir dürfen lernen, dass das Verharren an Altbekanntem und Altbewährten den Menschen genauso wenig weiterhilft wie hektische Aktivitäten ohne mitmenschliche Verbindung und ohne eine nachhaltige Wirkung.

Die Apostel haben sich schließlich nach zähem Ringen geeinigt. Sie haben einander zugehört, die Position des anderen ernst genommen, miteinander gebetet und gesungen, sich vielleicht auf den Kern der Botschaft besonnen. Es kam nicht zu einer Spaltung der jungen Christenheit, weil das Ringen um den richtigen Weg wohl im Respekt vor dem anderen und der Wertschätzung um die Position des anderen verlaufen sein muss.

So soll es auch in unserem Dekanat Neumarkt sein: Wir wollen lernen, mit Unterschieden umzugehen sowie anderen Positionen und Herangehensweisen zu respektieren. Wir wollen den anderen wertschätzen, auch wenn er anders denkt, fühlt und glaubt als sich. Wir akzeptieren, dass es viele Wege und Möglichkeiten gibt, dass Gott und die Menschen zusammenkommen können. Wenn wir klug und weitsichtig sind, dann verbinden und vernetzen wir all diese Ansätze, die Erfahrung und Weisheit, diese Leidenschaften und diese Begeisterung, dieses vielfältige Engagement, diese Farbtupfer in unserem Dekanat und ergänzen uns gegenseitig: in den Pfarreien, Pfarrverbänden, Gemeinschaften und Organisationen, natürlich auch, wenn wir uns im Herbst wieder zum Dekanatsforum treffen, und vor allem in diesem Dekanatsrat 2022 bis 2026.

Dekanatsreferent Christian Schrödl, Neumarkt/Habsberg


Weitere Texte von Christian Schrödl auf den Homepages der Dekanate Neumarkt und Habsberg:

"Aus Krimis lernen" - Impuls für den Alltag (3.7.2022)

"Wie sie einander lieben" - Gedanken zum Herz Jesu-Fest (24.6.2022)

"Fronleichnams-Pastoral" - Impuls zum Fronleichnamsfest (16.6.2022)

"Frauenmantel" - Impuls für den Alltag (19.6.2022)

"Unser Glaube ist bunt" - Impuls zum Dreifaltigkeitssonntag (12.6.2022)

"Alles nur Harmoniesoße?" - Impuls zur Ökumene (29.5.2022)

"Da berühren sich Himmel und Erde" - Impuls zu Christi Himmelfahrt (26.5.2022)

"Streit, der zusammenführt" - Impuls für den Alltag (22.5.2022)

"Funken der Liebe" - Impuls zum Dekanatsforum (20.5.2022)

"Schwester im Glauben" - Gedanken zum Marienmonat Mai (18.5.2022)

"Von leeren und vollen Netzen" - Impuls zum Dekanatsforum (16.5.2022)

"Er wohnt unter uns" - Zur Heiligsprechung von Charles de Foucauld (15.5.2022)

"Nicht nur dumme Schafe sein" - Impuls zum Dekanatsforum (8.5.2022)

"Öffne dich!" - Impuls für den Alltag (1.5.2022)

"Von froher Festlichkeit und ungläubigem Zweifel" - Impuls zum Dekanatsforum (24.4.2022)

"Streck deinen Finger aus!" - Impuls für den Alltag (24.4.2022)

"Neue Wege gehen" - Österlicher Impuls zum Dekanatsforum (18.4.2022)

"Neues in den Blick nehmen" - Ein karsamstäglicher Blick auf die Kirche (16.4.2022)

"Dass uns Steine vom Herzen fallen" - Ostergruß 2022 der Dekanate Neumarkt und Habsberg

"Ausgeliefert?" - Impuls zum Gründonnerstag (14.4.2022)

"Neues, blühendes Leben sichtbar machen" - Impuls zur Karwoche (12.4.2022)

"Mehr als nur ein kurzer Spaß" - Impuls zum Palmsonntag (10.4.2022)

"Kälteeinbruch" - Impuls für den Alltag (3.4.2022)

"Quo vadis, katholische Räte?" Ein Kommentar zur Pfarrgemeinderatswahl 2022 (20.3.2022)

"Nicht nur im stillen Kämmerlein" - Gedanken zur Umkehr (14.3.2022)

"Mehr Farbe fürs Leben" - Impuls für den Alltag (13.3.2022)

"Welcher Mensch möchtest du sein?" - Gedanken zur Fastenzeit 2022

"Wozu das alles?" - Kommentar zu zwei Jahren Corona-Pandemie (22.2.2022)

"Da ist doch noch mehr!" - Impuls zum Valentinstag (14.2.2022)

"Wie ein Puzzle aus tausend Teilen" - Kommentar zum Synodalen Weg (8.2.2022)

"Es trotzdem probieren" - Ein Impuls zur Diskussion um die Missbrauchsfälle (30.1.2021)

Die nächsten Termine

Sonntag, 28. August
08.45 Uhr
Möninger Bergfest
Veranstalter: Pfarrei Möning
Sonntag, 04. September
13.30 Uhr
Maiandacht mit Gebet um geistliche Berufe
Ort: Wallfahrtskirche Mariä Namen - Trautmannshofen
Veranstalter: Pfarrverband Lauterhofen
Samstag, 10. September
09.00 Uhr
Holyphon-Workshop in Neumarkt mit Neuem Geistlichen Lied und afrikanischen Tönen
Ort: Kloster St. Josef - Exerzitien-, Tagungs- und Gästehaus
Veranstalter: Stabsstelle Amt für Kirchenmusik
Freitag, 16. September
Beten mit den Füßen - Auf dem Jakobsweg von Lichtenfels nach Bamberg
Veranstalter: Katholische Erwachsenenbildung (KEB) im Landkreis Neumarkt
Sonntag, 18. September
19.00 Uhr
Ökumenischer Gedenkgottesdienst für die im Klinikum Verstorbenen
Ort: Klosterkirche St. Josef
Veranstalter: Klinikseelsorge Neumarkt
Dienstag, 20. September
19.30 Uhr
Offenes Gebetstreffen mit Maria, der Königin der Liebe, vor dem Allerheiligsten
Ort: Pfarrkirche Heilig Kreuz Neumarkt-Wolfstein
Veranstalter: Pfarrei Heilig Kreuz
Samstag, 24. September
Diözesaner Weltjugendtag mit Bischof Hanke im September in Pfünz
Ort: Jugendtagungshaus Schloss Pfünz
Veranstalter: Bischöfliches Jugendamt Eichstätt
Dienstag, 27. September
15.30 Uhr
Vorstellung des regionalen Action Bound "Schöpfung"
Ort: Kolpinghaus Johanneszentrum
Veranstalter: Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in der Region Oberpfalz
Freitag, 30. September
Mutter-Tochter-Wochenende im Jugendtagungshaus Habsberg
Ort: Jugendhaus Habsberg
Veranstalter: Bischöfliches Ordinariat Frauenpastoral
Sonntag, 02. Oktober
13.30 Uhr
Maiandacht mit Gebet für geistliche Berufe
Ort: Wallfahrtskirche Mariä Namen - Trautmannshofen
Veranstalter: Pfarrverband Lauterhofen
Freitag, 07. Oktober
EPL - Kommunikationstraining für Paare
Ort: Kloster St. Josef - Exerzitien-, Tagungs- und Gästehaus
Veranstalter: Ehe-, Familien- und Kinderpastoral im Bistum Eichstätt
Dienstag, 18. Oktober
19.30 Uhr
Offenes Gebetstreffen mit Maria, der Königin der Liebe, vor dem Allerheiligsten
Ort: Pfarrkirche Heilig Kreuz Neumarkt-Wolfstein
Veranstalter: Pfarrei Heilig Kreuz
Freitag, 21. Oktober
Gruppenleiterschulung der Kath. Jugendstelle Neumarkt
Ort: Habsberg
Veranstalter: Kath. Jugendstelle Neumarkt
Sonntag, 13. November
17.00 Uhr
Ökumenischer Gedenkgottesdienst für die im Klinikum Verstorbenen
Ort: Klosterkirche St. Josef
Veranstalter: Klinikseelsorge Neumarkt
Dienstag, 15. November
19.00 Uhr
Ökumenisch-inklusives Jugendgebet "ALL INCLUSIVE"
Ort: Klosterkirche Plankstetten
Veranstalter: Kath. Jugendstelle Neumarkt/Ev. Jugend im Dekanat Neumarkt/Regens Wagner Holnstein/Kath. Inklusive Pastoral
Dienstag, 22. November
19.30 Uhr
Offenes Gebetstreffen mit Maria, der Königin der Liebe, vor dem Allerheiligsten
Ort: Pfarrkirche Heilig Kreuz Neumarkt-Wolfstein
Veranstalter: Pfarrei Heilig Kreuz