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04.05.2021

"Kirche for future?" - Ein Kommentar

Foto: pixabay

Neumarkt/Habsberg (dbnm) - Dekanatsreferent Christian Schrödl vermisst in seinem Kommentar im Blick auf das aktuelle Karlsruher Urteil zum Klimaschutz die Sorge der Kirche um die Nachhaltigkeit der Pastoral und um die Lebensthemen junger Menschen.


„Karlsruhe for future“ – titelte letzte Woche die FAZ, als das Bundesverfassungsgericht das Klimaschutzgesetz kippte und damit den jungen Klägern von „Fridays for future“ Recht gab. Das als historisch gewertete Urteil sorgt auch dafür, dass die Anliegen der jungen Menschen von heute und die Interessen der kommenden Generationen ernst genommen werden. Es zwingt die Politik zu nachhaltigem Handeln.

Als ich abends im Fernsehen dann die Nachrichten und Kommentare gesehen habe, dachte ich mir sofort: Warum kann es eine solche Entscheidung für mehr Nachhaltigkeit und zugunsten der Anliegen junger Menschen nicht auch in unserer Kirche geben? Wir sehen es doch seit Jahrzehnten: Wir können Jugendliche immer weniger für kirchliche Themen und Angebote begeistern, auch die Familien bleiben zunehmend weg. In unseren Gottesdiensten ist eine gewisse Überalterung augenfällig. Die katholischen Erwachsenenverbände leiden unter massivem Nachwuchsmangel. Kaum ein junger Mann mehr findet den Weg in das Priesterseminar, auch Pastoral- und Gemeindereferenten sind zunehmend Mangelware.

Viele Jahre habe ich mich in der kirchlichen Jugendarbeit engagiert: als Gruppenleiter und Pfarrjugendleiter, als Oberministrant, beim Dachverband BDKJ auf Dekanats-, Diözesan- und Bundesebene. Immer haben wir dafür gekämpft, dass die „Option für die Jugend“ in unserer Kirche konkret werden kann. So wie Generationen von Jugendlichen vor uns und auch die nach mir Engagierten dies gefordert haben. Warum aber tut sich Kirche so schwer, die Interessen von Familien mit Kindern, von Jugendlichen von jungen Leuten mit ihrem Suchen und Fragen wahrzunehmen und ernst zu nehmen – wider besseren Wissens?       

Hier soll nicht der Platz sein für seitenlange Analysen – aber dennoch fällt auf: In den Diözesen, Pfarreien und Organisationen geht es oft um den (Selbst-)Erhalt und das Funktionieren eines Systems. Entscheider und Verantwortliche maßen sich an zu wissen, was für junge Menschen, für die nächste Generation, für die Zukunft der Kirche gut ist: Nämlich dasjenige anzunehmen und weiterzupflegen, was immer schon galt, lange Zeit gut war oder zu einem vermeintlichem katholischen Profil dazugehört. Auch eine zeitgemäße Renaissance marianischer oder eucharistischer Frömmigkeit wird dies nicht wettmachen können.

Wir haben offensichtlich gar nicht bemerkt, dass wir zu den Lebensthemen von jungen Menschen nicht mehr gesprächsfähig sind: Beziehung, Familie und Aufbau einer (beruflichen) Existenz, das Internet, die Digitalisierung und die Kommunikation von heute, Weltoffenheit, Verschiedenheit und Integration, Klimawandel,  Konsumverhalten und bewusste Lebensführung. Welche Antworten darauf finden Jugendliche und junge Erwachsene nicht nur in Positionspapieren, sondern auch in Predigten, Besinnungen, Gebetsimpulsen, Gruppenstunden, Podcasts und anderen Onlineformaten?

Vielleicht haben wir als Kirche noch immer nicht gelernt,  das konkrete, praktische, alltägliche Leben im Blick zu haben. Wir denken noch immer zu sehr von einem theologischen und organisatorischen System her. Ist Pastoral nur dann erfolgreich, wenn jemand nach außen hin erkennbar den Glauben katholisch praktiziert? Junge Menschen sollten meines Erachtens so sein, aktiv werden, beten, suchen und fragen, wie sie sind und können. Sie brauchen dazu Räume und Zeit, aber auch unser Verständnis und unsere Geduld – und unsere Bereitschaft, dass jemand auch anders sein und denken und glauben darf als ich.

In der Kirche wird es wohl kein höchstrichterliches Urteil geben. Wir sind schon selbst aufgerufen, dem Leben der Menschen und ihrer Zukunft nahe zu sein! Zwingen uns nicht alleine schon die leeren Kirchen dazu?

Dekanatsreferent Christian Schrödl, Neumarkt/Habsberg      


Weitere Texte von Christian Schrödl auf den Homepages der Dekanate Neumarkt und Habsberg:

"Wahrheit finden und leben" - Impuls für den Alltag (2.5.2021)

"Alles hat seine Zeit" - Impuls für den Alltag (18.4.2021)

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"Die Kirche und die Corona-Krise" (Online-Vortrag vom Januar 2021)

"Innehalten und Niederknien?" - Impuls zu Heilig Drei König (6.1.2021)

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"Inne halten: Wüstenzeit" - Impuls zur Corona-Krise (6.8.2020)

"Kommunikation als Gebot der Stunde" - Beitrag zum Hochfest Peter und Paul (29.6.2020)

"Nur die Liebe zählt" - Beitrag zum Herz-Jesu-Fest (19.6.2020)

"Rätsel und Lösung zugleich" - Beitrag zum Dreifaltigkeitssonntag (7.6.2020)

"Schmerzen und Glück der Geburt" - Ein Tagesimpuls (22.5.2020)

"Inne halten: Bitt-Tage" - Impuls zur Corona-Krise (20.5.2020)

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"Inne halten: Augen und herzen neu öffnen" - Impuls zur Corona-Krise (15.4.2020)

"Inne halten: Risikopatient Kirche?" - Impuls zur Corona-Krise (1.4.2020)

"Kommunionhelfer gebraucht!?" - Impuls zur Corona-Krise (26.3.2020)

"Zeichen der Hoffnung setzen" - Ein Tagesimpuls (23.3.2020)

"Inne halten: Josefstag" - Impuls zur Corona-Krise (19.3.2020)

 

 

 

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